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Äsop

"Warm und kalt aus einem Munde Ein Satyr und ein Mensch schlossen Freundschaft miteinander. Als sie einmal beisammen waren, hauchte der Mensch in seine Hände, um sie zu wärmen, denn es war Winter und kalt. Der Satyr fragte: "Was tust du da?" Der Mensch antwortete: "Ich wärme mir die Hände." Bald darauf setzten sie sich zum Mahle, und weil dem Menschen die Speise zu heiß war, brachte er sie zum Munde und blies darauf. Da fragte der Satyr wieder: "Was tust du da?" Der Mensch antwortete: "Ich kühle die Speise ab." Da sprach der Satyr: "Mit unserer Freundschaft ist es aus. Denn ich will nichts mit einem zu tun haben, der aus demselben Munde Wärme und Kälte kommen läßt." (Diese Geschichte stammt von Äsop, dem griechischen Fabeldichter, der als Sklave auf Samos lebte. Warm und kalt aus demselben Mund? Meine Damen und Herren, stürzt uns nicht vieles im Leben in ein Wechselbad der Gefühle? Von Freunden erwarten wir anderes. Von Freunden erwarten wir Verlässlichkeit, Beständigkeit und Berechenbarkeit. Wir zählen auf Wärme, Sympathie und Zuneigung. Auch ich zähle heute Abend darauf, zumal der Gegenstand meiner Rede ein sehr schwieriges, sehr kontroverses Thema berührt, bei dem sich die Gemüter leicht erhitzen ...)"