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Morgenstern Christian

"Man sollte von Zeit zu Zeit von sich zurücktreten wie ein Maler von seinem Bilde."

"Wir stehen an einem Ende, wir sind ein Anfang."

"Auf einem Wandkalenderblatt/ ein Leu sich abgebildet hat./ Er blickt dich an, bewegt und still,/ den ganzen 17. April./ Wodurch er zu erinnern liebt,/ daß es ihn immerhin noch gibt."

"Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist. (Wenn wir uns dieses Gebäude ansehen und uns fragen, was es über den Architekten aussagt, der es gebaut, und den Bauherrn, der es in Auftrag gegeben hat, kommen wir zu einem eindeutigen Ergebnis: Der eine wie der andere muss ein Liebhaber klarer Linien sein ...)"

"Alles Denken ist wesentlich optimistisch. Der vollendete Pessimist würde verstummen und - sterben."

"Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache erst an."

"Ein Hauptzug aller Pädagogik: unbemerkt führen."

"Genau betrachtet, ist alles Gespräch nur Selbstgespräch."

"Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandeln."

"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird."

"Über jedem guten Buch muß das Gesicht des Lesers von Zeit zu Zeit hell werden."

"Jede Schöpfung ist ein Wagnis."

"Einander kennenlernen, heißt lernen, wie fremd man einander ist."

"= Der Übersetzer der Seele ins Sichtbare."

"Lehrer-Komödie: Die Armut der Lehrer, während die Staaten Unsummen für die Wehrmacht hinauswarfen. Da sie nur Lehrer für 600 Mark sich leisten können, bleiben die Völker so dumm, daß sie sich Kriege für 60 Milliarden leisten müssen."

"Der Geist baut das Luftschiff, die Liebe aber macht gen Himmel fahren."

"Der moderne Mensch "läuft" zu leicht "heiß". Ihm fehlt zu sehr das Öl der Liebe."

"Ich meine, es müßte einmal ein sehr großer Schmerz über die Menschen kommen, wenn sie erkennen, daß sie sich nicht geliebt haben, wie sie sich hätten lieben können."

"Vorsicht und Mißtrauen sind gute Dinge, nur sind auch ihnen gegenüber Vorsicht und Mißtrauen nötig."

"Nirgends kann das Leben so roh wirken wie konfrontiert mit edler Musik."

"Wer die Welt nicht von Kind auf gewohnt wäre, müßte über ihr den Verstand verlieren. Das Wunder eines einzigen Baumes würde genügen, ihn zu vernichten."

"Der österreichische Dialekt ist darum so hübsch, weil die Rede beständig zwischen Sichgehenlassen und Sichzusammennehmen hin und her spielt. Er gestattet damit einen durch nichts andres ersetzbaren Reichtum der Stimmungswiedergabe."

"Was ist das erste, wenn Herr und Frau Müller in den Himmel kommen? Sie bitten um Ansichtskarten."

"Alles, was man mit Liebe betrachtet, ist schön."

"Wie ist jede - aber auch jede - Sprache schön, wenn in ihr nicht nur geschwätzt, sondern gesagt wird!"

"Wenn ich sitze, will ich nicht/ sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte,/ sondern wie mein Sitz-Geist sich,/ säße er, den Stuhl sich flöchte./ Der jedoch bedarf nicht viel,/ schätzt am Stuhl allein den Stil,/ überläßt den Zweck des Möbels/ ohne Grimm der Gier des Pöbels."

"Ich könnte mir ein künftiges Jahrtausend denken, das unser Zeitalter der Technik anstaunte, wie wir die Antike bewundern, und Maschinen ausgrübe wie wir Statuen."

"Mancher Gedanke fällt um wie ein Leichnam, wenn er mit dem Leben konfrontiert wird."

"Die zur Wahrheit wandern, wandern allein."

"Du siehst in etwa 100 Meter Entfernung einen Mann Holz spalten. Das auf den Hackbock geschmetterte Scheit sinkt bereits nach links und nach rechts auseinander - da erreicht dich erst der Schall. So mögen wir die Welt ein halbes Leben lang betrachten, bis wir das Wort vernehmen, das zu ihr gehört, die Seele, die von ihr redet."

"Es gibt nichts Hemmenderes als Gemeinplätze und Redensarten. Jede Redensart ist die Fratze eigener Gedanken, ein "Mitesser" im Zellengewebe des Denkers."